Die Tollkirsche

Um die Tollkirsche ranken sich seit alter Zeit Mythen und Legenden. Im Mittelalter war sie Bestandteil von Hexenritualen und stand im Ruf, Flügel zu verleihen. Beinamen wie Teufels- oder Hexenbeere weisen auf ihre Bedeutung im Volksaberglauben hin.

Gefährliche Schöne aus dem Wald

Die Tollkirsche gehört zur Gattung der Nachtschattengewächse und ist eine der stärksten Giftpflanzen Europas. Die einzige heimische Art, die schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) ist häufig am Waldrand oder auf Lichtungen zu finden. Die kräftige, buschartige Pflanze mit feinflaumiger Behaarung erreicht eine Höhe von 50 – 150 cm. Sie besitzt glockenförmige braunviolette Blüten, die zwischen Juni und August zu tiefschwarzen, glänzenden Beeren heranreifen.
Alle Teile der Pflanze sind hochgiftig und enthalten in großen Mengen Alkaloide wie Atropin, das auch im Stechapfel und Engelstrompete vorkommt.
Der botanische Name geht auf die griechische Schicksalsgöttin Atropos zurück, die bezeichnenderweise den Lebensfaden durchschnitt.

Die Tollkirsche wird von Kindern oft für Kirschen gehalten

Die Tollkirsche wird oft mit Kirschen verwechselt – besonders von Kindern

Vorsicht mit Kindern

Besonders Kinder fühlen sich von den kirschähnlichen Früchten angezogen und werden daher am häufigsten Opfer einer Vergiftung mit Tollkirschen. Schon 3 – 4 Beeren können bei Kindern zum Tode führen, bei Erwachsenen werden erst 10 – 12 Beeren zur tödlichen Gefahr.
Nur eine Magenspülung, die spätestens eine Stunde nach dem Genuss der Beeren durchgeführt wird, verspricht Erfolg. Die schwarze Beere steht bei Vergiftungen ganz oben auf der Liste und führt immer wieder zu Todesfällen.

Wirkung und Symptome

Schon bei geringen Mengen können Symptome wie Mundtrockenheit, Herzrasen, Hitzegefühl und Sehstörungen auftreten. Es stellen sich Halluzinationen ein, die Pupillen vergrößern sich, der Betroffene gerät in einen starken Erregungszustand und verspürt den Drang, sich zu bewegen, zu reden oder gar zu schreien. In höheren Dosen genossen führt das Gift zum Koma und es kann zu Atem- und Herzstillstand kommen.
Die stark halluzinogene Wirkung erzeugt nicht kontrollierbare traumartige Zustände. Betroffene berichten darüber, dass sie aus eigener Kraft geflogen seien oder sich in ein Tier verwandelt hätten. Deshalb sehen sich immer wieder Menschen dazu veranlasst, die Tollkirsche als Droge einzusetzen, oft mit tödlichem Ausgang. Auch die Wirkstoffe des Bilsenkrautes können halluzinogene Zustände auslösen.

Die Tollkirsche als Zauber- und Heilpflanze

Diese Eigenschaften führten dazu, dass der Giftbeere magische Kräfte zugeschrieben wurden. So fand sie Verwendung in Hexentränken und Salben und wurde Bestandteil der Volksmythologie.
In alten Kräuterbüchern wurde die toll machende Wirkung beschrieben, die namensgebend für das Nachtschattengewächs war.
In der modernen Medizin wird Atropin als krampflösendes Mittel und bei der Narkoseeinleitung verwendet, um Speichelfluss und Übelkeit zu unterdrücken. Außerdem wird Atropin als Gegenmittel bei Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln und Nervengas injiziert.

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